Neue Literarische Gesellschaft Marburg

-Literatur um 11-

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rückblick: Programmhefte, Termine und Autoren seit 2010

Medien-Echo zu unseren Veranstaltungen


Das neue Programm von Literatur um 11
mit internationaler Belletristik und wissenschaftlichen Vorträgen
Im Mittelpunkt des ersten Vortrags 2017 im Café Vetter steht die Ukraine. 25 Jahre nach Erlangung der Unabhängigkeit haben sich die neuen ukrainischen Autoren in Europa etabliert. Angesichts der gegenwärtigen Krise artikuliert sich in ihren Werken auch die aktuelle Situation.


So, 29. Januar, 11 Uhr, Café Vetter
Stefan Gille und Professor Dr. Wolfgang Müller
Edgar Allan Poe
Lesung und Vortrag. Eingangs liest der durch die "Hörtheatrale" bekannte Schauspieler Stefan Gille die Erzählung "Die Wassergrube und das Pendel".

Edgar Allan Poe ist ein faszinierender amerikanischer Dichter des 19. Jahrhunderts, der seine Leser über die Zeiten hinweg in seinen Bann zieht und sie fragen lässt, wie denn ein Mensch derartig bizarre Geschichten erzählen und obsessive und gestörte Seelen darstellen kann wie er.

Die Frage nach der Biographie ist zwar wichtig und aufschlussreich, sie kann aber die Besonderheit der Werke, die das Ergebnis künstlerischen Wollens und künstlerischer Visionen sind, nicht erklären. Aufgrund seiner zahlreichen Innovationen besitzt Poes relativ schmales Werk weltliterarischen Rang. Er hat mit der Detektivgeschichte, der Schauererzählung, der Science-Fiction und einer suggestiven, klangbetonten Lyrik neue Gattungen und Formen geschaffen, die in die ganze Welt gewirkt haben.

Der Vortrag zeigt die polare Spannung seiner Texte zwischen intensivster Emotionalität und kühlster Rationalität. Keiner hat die Abgründe der Seele von Verbrechern, Opfern und Psychopathen tiefer ausgelotet und Emotionen wie Angst, Grauen, Rache, Trauer intensiver dargestellt. Hinzu kommt das ins Bizarre gesteigerte Interesse an parapsychologischen und okkultistischen Phänomenen.

Poe war Amerikaner, aber imaginär in der ganzen Welt zu Hause. Seine Detektiverzählungen handeln in Paris, sein Flaneurgeschichte „Der Mannn in der Menge“ in London, Erzählungen von Rache und Tod in Italien und Spanien. “Ligeia“ mit der Thematik der Verdoppelung der Frau knüpft an die Rheinromantik an. Poe hat auch bedeutende literaturkritische Essays geschrieben.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten 10,- €


So, 5. Februar, 11 Uhr, Café Vetter
Franzobel

Das Floß der Medusa

Was bedeutet Moral, was Zivilisation, wenn es um nichts anderes geht als ums bloße Überleben? Ein epochaler Roman von Franzobel.

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten, nackten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt.

Diese historisch belegte Geschichte bildet die Folie für Franzobels bedeutsamen Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 12. Februar, 11 Uhr, Café Vetter
Professor Dr. Egon Flaig

Gegen den Strom

Egon Flaig ist emeritierter Professor für Alte Geschichte (Universität Rostock). Das Spektrum seiner Forschungen ist sehr breit. Es reicht von den Ritualen antiker Politik über die Sklaverei bis zum Politischen Denken über die Demokratie.

Sein letztes großes Buch analysiert die historische Entstehung und die kulturelle Dynamik der ‚Mehrheitsentscheidung’. Sein Buch ‚Gegen den Strom’ plädiert für eine säkulare Republik Europa. Wenn eine solche Republik kein bürokratisches Monster vom Brüsseler Typ werden soll, sondern eine Demokratie, dann kann sie nur geschaffen werden auf der Basis von Volksentscheiden, die letztlich zu einem europäischen Bundesstaat führen und zur Bildung einer europäischen Nation.

Das erfordert allerdings, dass die Europäer sich darauf besinnen, was die europäische Kultur zu einer besonderen macht, und dass sie diese Besonderheit als wesentlich für ihre kulturelle Identität anerkennen. Da nur eine Zukunft hat, wer sich auf seine Vergangenheit besinnt, ist für diesen Prozeß der Neukonstituierung Europas ein neues kulturelles Gedächtnis der Europäer nötig, nämlich eines, das die Nationalgeschichten hinter sich lässt und stattdessen die europäische Besonderheit und ihre historische Genese ins Zentrum rückt.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


Uni im Café
So, 19. Februar, 11 Uhr, Café Vetter
Professor Dr. Arbogast Schmitt
Wie aufgeklärt ist die Vernunft der Aufklärung?
Eine Kritik aus aristotelischer Sicht.


In der Auseinandersetzung um das Verhältnis der westlichen Moderne zu anderen Kulturen, Gesellschaften, Religionen spielt die Berufung auf die Aufklärung eine wichtige, vielleicht die wichtigste Rolle. Die Befreiung von der Bevormundung durch religiöse und politisch-gesellschaftliche Autoritäten durch die Entdeckung der Selbstständigkeit der jedem zur Verfügung stehenden eigenen Vernunft und die 'erst' dadurch möglich gewordene selbstbestimmte Freiheit des Individuums gilt vielen als ein erreichtes kulturelles Niveau, das nicht mehr unterschritten werden dürfe.

Dass diese 'Entdeckung' der Vernunft als eine erstmalige und einmalige Errungenschaft der europäischen Moderne ausgegeben wird, bringt aber viele Probleme der Verständigung mit den anderen 'vor-aufgeklärten' Kulturen mit sich. Am Beispiel von Aristoteles kann man zeigen, dass auch die moderne Vernunft ihre geschichtlichen Begrenzungen hat und dass es neben ihr berechtigte Formen eines anderen Verständnisses von Vernunft gibt.

Für Aristoteles beginnt die Vernunft nicht erst mit dem (nachträglichen) Bewusstsein, wenn diesem ein Gegenstand 'gegeben' ist, mit dem es umgehen kann, sondern wird als ein präsentisches Vermögen verstanden, das sich unmittelbar seinen Gegenständen zuwendet und daher auch mit Lust und Unlust besetzt ist. Diesen präsentischen Denkbegriff gegenüber dem 'repräsentativen' Verständnis von Denken des nachcartesianischen Bewusstseins möchte der Vortrag vorstellen.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 5. März, 11 Uhr, Café Vetter
Heimo Schwilk
Luther. Der Zorn Gottes.
Biographie


So, 26. März, 11 Uhr, Café Vetter
Gerhard Marcel Martin
Was brennt denn da?
Kurzprosa und andere Gattungen

Seit den 70er Jahren hat Gerhard Marcel Martin neben akademischen Fachbüchern und Essays auch poetisch Leicht-Fertiges, bisweilen aber auch literarisch und thematisch Schwergewichtigeres geschrieben und von früh an an verschiedenen Orten publiziert.

Anlässlich seines 75. Geburtstags präsentiert er daraus Proben des Schräg-Experimentellen genauso wie Texte, die ästhetisch und inhaltlich anspruchsvoller auftreten. Dabei geht es u.a. um Monster und Gerichtspsychiater, Jungfrauenspiele, Krankenhäuser und Schnittpunkte und um eine Religionskonferenz nördlich des Mount Everest.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, der genaue Termin wird noch bekanntgegeben, 11 Uhr, Café Vetter
Prof. Dr. Heinz-Joachim Müllenbrock
Erbe und Auftrag – Konservatives Denken bei Burke und Disraeli.

Im Laufe ihrer Auseinandersetzung mit ihren politischen Konkurrenten ist die Konservative Partei Englands immer wieder bestrebt gewesen, sich durch Rückgriff auf ihr Traditionsgut ein über die Tagespolitik hinausreichendes, auf Kontinuität bedaches Profil zu geben. Mit Edmund Burke (1729-1797) und Benjamin Disraeli (1804-1881), dem späteren Earl of Beaconsfield, stellt dieser Vortrag zwei ihrer bis heute wichtigsten Ideengeber vor.

Burke verschaffte sich durch sein epochemachendes Buch Reflections on the Revolution in France (1790) Geltung, in dem er der naturrechtlichen Konstruktion des revolutionären Frankreich das durch die geschichtliche Erfahrung bewährte britische Verfassungsmodell entgegenstellte. Disraeli machte in dem Roman Sybil or The Two Nations (1845) die soziale Frage erstmals zum Anliegen konservativer Politik und setzte 1872 in seiner Rede im Londoner Kristallpalast den Imperialismus auf die politische Tagesordnung.

Der Vortrag legt die Standpunkte dieser beiden politischen Akteure und Publizisten dar und geht abschließend der Frage nach, ob und wie sich das Vermächtnis Burkes und Disraelis unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen für den Konservativismus fruchtbar machen lässt. Dabei dürften sich auch Vergleichsaspekte für die Betrachtung der derzeitigen Situation in der Bundesrepublik Deutschland ergeben.