Neue Literarische Gesellschaft Marburg

-Literatur um 11-

 

 

 

 

 

 

 

 

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Medien-Echo zu unseren Veranstaltungen


Das neue Programm von Literatur um 11
mit internationaler Belletristik und wissenschaftlichen Vorträgen


So, 25. Febuar, 11 Uhr, Café Vetter
Michael Roes
Zeithain

Eines der erschütterndsten Dramen der deutschen Geschichte ereignete sich im 18. Jahrhundert in Zeithain. Es handelt von Friedrich dem Großen, der als junger Kronprinz unter dem Regime seines Vaters unvorstellbar leidet. In seiner Not wendet sich Fritz an seinen einzigen Freund, Hans Hermann von Katte. Er soll ihm helfen, ins Ausland zu fliehen, während sein Vater von der Militärparade in Zeithain abgelenkt ist.

Katte, ein Offizier des Königs, gerät in einen tiefen Zwiespalt, doch er kann der Zuspitzung der Ereignisse nicht entrinnen. Als die Pläne auffliegen, ist es Katte, an dem ein Exempel statuiert wird – und der Kronprinz muss bei seiner Hinrichtung zusehen. Wer war dieser Katte? Wie konnte er, der selbst mit einem strengen, distanzierten Vater aufwuchs, sich verhalten?

Philip Stanhope, ein entfernter Nachfahre, sucht an den Orten von Kattes Leben nach Antworten. Er fühlt sich ein in die Welt des pietistischen Preußen und zeigt, wie stark die Gefühle und Werte der damaligen Zeit uns immer noch prägen.

Michael Roes’ Roman ist eine gewaltige literarische Recherche und zugleich ein faszinierendes Abenteuer deutscher Geistesgeschichte.

Eintritt: 10,- € / Mitglieder: 8,- € / Studenten: 5,- €


So, 04. März, 11 Uhr, Café Vetter
Uwe Wittstock
Karl Marx beim Barbier: Leben und letzte Reise eines deutschen Revolutionärs.

Am 18. Februar 1882 besteigt Karl Marx in Marseille den Dampfer »Said« und verlässt zum ersten Mal in seinem Leben Europa. Am Kai von Algier nimmt ihn Albert Fermé in Empfang, der sich in der Pariser Kommune engagiert hatte. Doch an politische Kämpfe ist für Marx nicht mehr zu denken.

Den Tod seiner Frau Jenny drei Monate zuvor hat er nicht verwunden, und das wärmere Klima kann seine chronische Rippenfellentzündung nicht kurieren. Karl Marx lässt sich ein letztes Mal fotografieren, bevor er beim Barbier Haarpracht und Bart opfert. Ein Akt, der ihm selbst beinahe symbolisch vorkommt. Seine größte Sorge gilt dem Wohlergehen seiner Töchter.

Während er die Eindrücke einer ihm ganz neuen Kultur auf sich wirken lässt, zieht er unsentimental eine Art Resümee seines Lebens und Wirkens: der liberale Vater mit jüdischen Wurzeln, die wilden Studienjahre in Bonn und Berlin, seine frühen poetischen Ambitionen, seine seltsam bremsende Rolle im Revolutionsjahr 1848, dann das ewige Exil, die Zumutungen der Armut.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder: 10,- € / Studenten: 5,- €


So, 11. März, 11 Uhr, Café Vetter
Cathrin Alisch
Literarisch-musikalische Matinée über Mascha Kaléko

Die Dichterin, Mascha Kaléko, wurde als Tochter eines russischen Vaters und einer österreichischen Mutter 1907 am Rande der damaligen Donaumonarchie geboren, war im Berlin der 20er Jahre zu Hause und galt als ein außergewöhnliches literarisches Talent, bei dem sich auf unnachahmliche Weise wacher Verstand mit weiblichem Charme mischten, politische Schärfe mit Witz und romantischer Ironie.

Vor allem aber auch ist ihre Sprache ausgesprochen musikalisch und erlaubt ein Spiel mit den Rhythmen in Text und Ton. – Überraschende Wechsel zwischen Klang und Sprache, in denen sich die Wege der Dichterin spiegeln und das Gestern, Heute, Morgen ineinander verschwimmen – zeitlose Lieder über die Liebe und das Leben zwischen Trauer, Hoffnung und „aufgeräumter Melancholie“.

Cathrin Alisch (Stimme, Gitarre, Geige, Akkordeon)
ergänzt durch biographische Details und hat als ausgebildete Musikerin einige der schönsten Gedichte Mascha Kalékos neu vertont. Anders, als ältere Sprecherkolleginnen, die die jüdische Lyrikerin aus der Sicht eines gelebten Lebens – quasi in Augenhöhe und mit allen Bitterkeiten interpretieren, konzentriert sich die Berlinerin auf die „paar leuchtenden Jahre“ der jungen Mascha in Berlin – heiter, frech und frühlingshaft.

Was liegt näher – zumal die ersten Gedichte der Kaléko in waschechtem Dialekt verfaßt sind und auch nach Ku’damm, oder Uhlandstraße klingen sollten.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder: 10,- € / Studenten: 5,- €


Uni im Café
So, 18. März, 11 Uhr, Café Vetter
Professor Ernst-Richard Schwinge
Goethe und Euripides
eine Liebe zu einem ungeliebten Tragiker
Eintritt: 10,- € / Mitglieder: 8,- € / Studenten: 5,- €


So, 25. März, 11 Uhr, Café Vetter
Hans Pleschinski
liest aus seinem Roman Wiesenstein
Eintritt: 12,- € / Mitglieder: 10,- € / Studenten: 5,- €


So, 15. April, 11 Uhr, Café Vetter
Professor Andreas Guski
Dostojewskij
Eintritt: 10,- € / Mitglieder: 8,- € / Studenten: 5,- €


So, 29. April, 11 Uhr, Café Vetter
Aus Anlass seines 75. Geburtstages spricht
Professor Dr. Arbogast Schmitt
über Freiheit und Lust, eine zu wenig beachtete Erklärung der Willensfreiheit.

Was ein freier Wille ist, gilt als nur schwer oder gar nicht erklärbar, jedenfalls wenn man sich auf der Höhe einer modernen Reflexion bewegen will: Viele sind überzeugt, dass alles kausal determiniert ist, also muss es auch der Wille sein. Glaubt man an eine Unterbrechung der Kausalordnung durch den Zufall, reicht das nicht als eine Begründung für die Willensfreiheit. Kaum verstehbar ist aber auch, wie (Natur-) Notwendigkeit und (subjektive) Freiheit nebeneinander bestehen können sollen.

Gemeinsam ist aber den vielen sich gegenseitig bekämpfenden Theorien, dass der Wille als ein reines Entscheidungs-Vermögen verstanden wird. Frei kann er ja nur sein, wenn er sich auch gegen das erkannte Richtige, also gegen die Vernunft entscheidet. Bekanntlich hat aber auch eine Entscheidung gegen die Vernunft Gründe. Selbst wer nur noch ein Glas Wein mehr trinken will, als es vernünftig ist, trifft keine reine Entscheidung, sondern greift nur zum Glas, weil er die Qualitäten des Weins kennt und sich die Lust an seinem Genuss in der Zukunft vorstellt.

Es war der sorgfältige Aristoteles, der deshalb nachgewiesen hat, dass jeder Wille ein Produkt aus mehreren geistigen Akten ist: man muss etwas erkennen, das Angenehme und Gute an diesem Erkannten mit Lust (das Gegenteil mit Unlust) empfinden und beides durch die Vorstellung in die Zukunft verlängern. Dann entsteht ein Wille (für oder gegen etwas). Dieser Wille kann einer Wahrnehmungserkenntnis entspringen, oder einer Meinung, meistens über Lüste und Unlüste, die mit Anerkennungsphänomenen verbunden sind, er kann auch aus einer tatsächlich vernünftigen Erkenntnis kommen.

Sich gegen die Vernunft entscheiden, heißt deshalb nicht, etwas irrational wollen, sondern einen unvernünftigen, von bloßen Meinungen oder Anschauungen abhängigen Willen haben. Diese Art der Analyse führt dazu, dass nicht jeder Wille frei ist, sondern nur der, der das will, was einem wirklich gut tut. In diesem Sinn gibt es eine zur Freiheit führende Erziehung des Willens, die – wie sittliches Verhalten im allgemeinen – auf einer Kultur des Gefühls beruht. Der Vortrag versucht, wichtige Erklärungen aus der philosophischen Theorie mit Beispielen aus der literarischen Praxis zu verbinden und anschaulich zu machen.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder: 10,- € / Studenten: 5,- €