Neue Literarische Gesellschaft Marburg

-Literatur um 11-

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rückblick: Programmhefte, Termine und Autoren seit 2010

Medien-Echo zu unseren Veranstaltungen


Das neue Programm von Literatur um 11
mit internationaler Belletristik und wissenschaftlichen Vorträgen


Uni im Café
So, 19. Februar, 11 Uhr, Café Vetter
Professor Dr. Arbogast Schmitt
Wie aufgeklärt ist die Vernunft der Aufklärung?
Eine Kritik aus aristotelischer Sicht.


In der Auseinandersetzung um das Verhältnis der westlichen Moderne zu anderen Kulturen, Gesellschaften, Religionen spielt die Berufung auf die Aufklärung eine wichtige, vielleicht die wichtigste Rolle. Die Befreiung von der Bevormundung durch religiöse und politisch-gesellschaftliche Autoritäten durch die Entdeckung der Selbstständigkeit der jedem zur Verfügung stehenden eigenen Vernunft und die 'erst' dadurch möglich gewordene selbstbestimmte Freiheit des Individuums gilt vielen als ein erreichtes kulturelles Niveau, das nicht mehr unterschritten werden dürfe.

Dass diese 'Entdeckung' der Vernunft als eine erstmalige und einmalige Errungenschaft der europäischen Moderne ausgegeben wird, bringt aber viele Probleme der Verständigung mit den anderen 'vor-aufgeklärten' Kulturen mit sich. Am Beispiel von Aristoteles kann man zeigen, dass auch die moderne Vernunft ihre geschichtlichen Begrenzungen hat und dass es neben ihr berechtigte Formen eines anderen Verständnisses von Vernunft gibt.

Für Aristoteles beginnt die Vernunft nicht erst mit dem (nachträglichen) Bewusstsein, wenn diesem ein Gegenstand 'gegeben' ist, mit dem es umgehen kann, sondern wird als ein präsentisches Vermögen verstanden, das sich unmittelbar seinen Gegenständen zuwendet und daher auch mit Lust und Unlust besetzt ist. Diesen präsentischen Denkbegriff gegenüber dem 'repräsentativen' Verständnis von Denken des nachcartesianischen Bewusstseins möchte der Vortrag vorstellen.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 5. März, 11 Uhr, Café Vetter
Heimo Schwilk
Luther. Der Zorn Gottes.

Heimo Schwilk, der sich mit seinen großen Porträts von Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke einen Namen als Biograf gemacht hat, vergegenwärtigt die Lebensgeschichte Martin Luthers auf eine bisher so nicht zu lesende Weise.

Psychologisch einfühlsam und vertraut mit der von radikalen Umbrüchen bestimmten Epoche des ausgehenden Mittelalters, zeichnet er ein Bild jenes Mannes, der mit seiner Neukonzeption der Theologie das kirchliche Leben, aber auch die politischen und sozialen Verhältnisse seiner Zeit revolutionierte – mit Wirkungen bis in die unmittelbare Gegenwart.

Heimo Schwilk macht die scheinbar weit in die Ferne gerückte Gestalt des Reformators lebendig und stellt sich quer zur verharmlosenden Aktualisierung des Reformators, der keineswegs als „Modernisierer“ zu vereinnahmen ist. Luther war kein Anwalt der Selbstbestimmung, der Autonomie des Einzelnen, seiner unbeschränkten Emanzipation und Mündigkeit.

Diese Biografie provoziert und eröffnet einen neuen, frischen Blick auf den „Genius der Deutschen“, der als Bibelübersetzer und Sprachschöpfer erreichte, dass die Grundfragen des Glaubens erstmals in Deutschland von einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden konnten.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 12. März, 11 Uhr, Café Vetter
Daniel Zahno (New York)
liest aus seinem Roman
Mama Mafia (erschienen im Februar 2017)

Rocksänger und Überlebenskünstler Harvy, der sich mit drei Jobs und gelegentlichen Diebstählen über Wasser hält, lässt im Apple Store in der Grand Central Station ein iPhone mitgehen, was sein Leben auf den Kopf stellt.

Harvy gerät in einen wahnwitzigen Sog von Turbulenzen: Er wird erpresst, muss unverschuldet einen Toten entsorgen und verliert sein Herz an die Geliebte des obersten New Yorker Mafiabosses Tony Tangeroli. Tony wiederum ist derart angetan von Harvys Musik, dass er dessen Band groß herausbringen will. Für Harvy beginnt ein lebensgefährlicher Hochseilakt im Dunstkreis der Mafia.

Daniel Zahnos »Mama Mafia« ist ein wilder Ritt durch New York City, sprachmächtig und spannend, mit subtilen Anspielungen auf Godfather und Pulp Fiction, zugleich erfrischend neu und voller Überraschungen. Ein kurzweiliger, rasanter Roman mit einem packenden Plot, von einer Brillanz, welche die aufregende Lektüre sogleich in Lesevergnügen verwandelt.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 19. März, 11 Uhr, Café Vetter
Jurij Andruchowytsch
Kleines Lexikon intimer Städte

Jurij Andruchowytsch, »der poetische Landvermesser« (FAZ) aus der Unruhezone Ukraine, hat viel Zeit investiert, um sich mit fremden Städten anzufreunden, die ihm Schutz und Ruhe gewähren sollten.

In manchen ist er eine Weile hängengeblieben. Andere wurden zu Lebensstationen: »München beginnt gleich hinter Moskau, das Alphabet harmoniert mit der Zeit« – denn München war die erste deutsche Stadt, die der junge Autor aus der untergehenden Sowjetunion besuchte, um ganz in der Nähe, am Starnberger See, seine Moscoviada zu schreiben.

Diamantenläden statt Zimtläden – eine Gasse in Antwerpen, chimärisch, als wäre sie von Bruno Schulz erfunden. Soziologie der Straßenmusik in Berlin. Mit Andrzej Stasiuk im hundertgeschossigen InterContinental in Bukarest. Zu Besuch im tragischen Museum in Charkiw. Unterwegs durch verlassene Gärten in Detroit. Novi Sad. Odessa. Paris. Prag. Stuttgart. Toronto. Ushgorod. Venedig.

Ein Alphabet der 44 Städte auf drei Kontinenten. In diesem originellen Reisebrevier verquickt Andruchowytsch Herzensgeschichten mit politischer Polemik, Klischee mit Epiphanie, die Anekdote mit Romanentwürfen. Doch wie dieser Stadtnomade seinen Blick schult, um im unscheinbaren Detail ein Gefühl für das große Ganze zu entwickeln, macht Lust darauf, es ihm gleichzutun.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €



So, 26. März, 11 Uhr, Café Vetter
Gerhard Marcel Martin
Was brennt denn da?
Kurzprosa und andere Gattungen

Seit den 70er Jahren hat Gerhard Marcel Martin neben akademischen Fachbüchern und Essays auch poetisch Leicht-Fertiges, bisweilen aber auch literarisch und thematisch Schwergewichtigeres geschrieben und von früh an an verschiedenen Orten publiziert.

Anlässlich seines 75. Geburtstags präsentiert er daraus Proben des Schräg-Experimentellen genauso wie Texte, die ästhetisch und inhaltlich anspruchsvoller auftreten. Dabei geht es u.a. um Monster und Gerichtspsychiater, Jungfrauenspiele, Krankenhäuser und Schnittpunkte und um eine Religionskonferenz nördlich des Mount Everest.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 7. Mai, 11 Uhr, Café Vetter
Ulrich Schacht
liest aus seinem Roman (soeben erschienen!)
Notre Dame


So, der genaue Termin wird noch bekanntgegeben, 11 Uhr, Café Vetter
Prof. Dr. Heinz-Joachim Müllenbrock
Erbe und Auftrag – Konservatives Denken bei Burke und Disraeli.

Im Laufe ihrer Auseinandersetzung mit ihren politischen Konkurrenten ist die Konservative Partei Englands immer wieder bestrebt gewesen, sich durch Rückgriff auf ihr Traditionsgut ein über die Tagespolitik hinausreichendes, auf Kontinuität bedaches Profil zu geben. Mit Edmund Burke (1729-1797) und Benjamin Disraeli (1804-1881), dem späteren Earl of Beaconsfield, stellt dieser Vortrag zwei ihrer bis heute wichtigsten Ideengeber vor.

Burke verschaffte sich durch sein epochemachendes Buch Reflections on the Revolution in France (1790) Geltung, in dem er der naturrechtlichen Konstruktion des revolutionären Frankreich das durch die geschichtliche Erfahrung bewährte britische Verfassungsmodell entgegenstellte. Disraeli machte in dem Roman Sybil or The Two Nations (1845) die soziale Frage erstmals zum Anliegen konservativer Politik und setzte 1872 in seiner Rede im Londoner Kristallpalast den Imperialismus auf die politische Tagesordnung.

Der Vortrag legt die Standpunkte dieser beiden politischen Akteure und Publizisten dar und geht abschließend der Frage nach, ob und wie sich das Vermächtnis Burkes und Disraelis unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen für den Konservativismus fruchtbar machen lässt. Dabei dürften sich auch Vergleichsaspekte für die Betrachtung der derzeitigen Situation in der Bundesrepublik Deutschland ergeben.


So, 18. Juni, 11 Uhr, Café Vetter
Dr. Heiko Postma
Fontane II
Die großen Romane.