Neue Literarische Gesellschaft Marburg

-Literatur um 11-

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rückblick: Programmhefte, Termine und Autoren seit 2010

Medien-Echo zu unseren Veranstaltungen


Das neue Programm von Literatur um 11
mit internationaler Belletristik und wissenschaftlichen Vorträgen


So, 27. Mai, 11 Uhr, Café Vetter
Andreas Maier
Die Universität


Frankfurt, die Universität, 1988, 1989. Damals noch ein ganz anderes Studium, Magister, eigentlich völlige Freiheit in allem. Das Betätigungsfeld erstreckt sich vom Biertrinken im „Doctor Flotte“ bis hin zu Seminaren über Wahrheitstheorie, die den Studenten der Philosophie schon innerhalb eines Semesters zu Arztbesuchen treiben.

Es droht ein völliger Verlust der eigenen Person, und auch die Zeiten geraten durcheinander: Auf der Suche nach einer Studentenbude stößt der Protagonist auf ein Erotikmagazin, in dem er eine alte Liebe aus dem Jahr 1983 wiederzuerkennen glaubt. Aus seiner Matratzengruft, in der er sich verzweifelt-lethargisch einrichtet, rettet ihn ausgerechnet ein Pflegefall: Gretel Adorno, die uralte Witwe des Philosophen, bei der er durch seinen Studentenjob Dienst tut. Er läßt sich von ihr zerkratzen und beschimpfen, aber eigentlich versteht er sich mit ihr besser als mit seiner ganzen Umwelt.

Die Universität ist ein Roman über die Möglichkeit, überhaupt von so etwas wie „Ich“ oder „Person“ zu sprechen. Es ist jener Zustand Anfang zwanzig, in dem wir zwar noch im Rollenspiel der Jugend verhaftet sind, zugleich aber längst begriffen haben, daß es irgendwo anders hingehen muß.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder: 10,- € / Studenten: 5,- €


Uni im Café
So, 10. Juni, 11 Uhr, Café Vetter
Professor Dr. Gregor Vogt-Spira
Friedrich der Große und die Antike

Friedrich der Große, der Intellektuelle auf dem Thron, der sich selbst roi philosophe nannte, befasste sich sein ganzes Leben lang in ungewöhnlicher Intensität mit der griechisch-römischen Antike und war ein herausragender Kenner ihrer Autoren, was kaum näher erforscht ist.

Der Beitrag nimmt zunächst den Leser Friedrich, der in der Regel zwei Stunden täglich der Lektüre widmete, in den Blick und fragt nach den bevorzugten antiken Autoren sowie der Stellung des Latein in seiner Bildungskonzeption. Die Subtilität seines Gebrauchs der Antike läßt sich gut in seiner Dichtung erkennen – in einer programmatischen Versepistel zum eben fertiggestellten Schloss Sanssouci erweist sich das horazische Sabinum als Vorbild.

Überhaupt liefert das antike Rom einen zentralen Koordinatenpunkt für den Vorstellungsraum, innerhalb dessen Friedrich denkt und handelt. Sein großes Interesse für die Antike ist nicht historisch begründet, sondern entspringt der Erwartung, dort Modelle für die Probleme der Gegenwart, zumal des modernen Staates zu finden.

An zwei Beispielen – dem Schema von Aufstieg und Niedergang sowie dem Bezug auf Caesar – wird gezeigt, wie Friedrich dabei Teil eines zeitgenössischen Diskurses ist, in dem die Modellfunktion Griechenlands und Roms eine über die Grenzen hinweg verständliche Orientierung liefert, die Gemeingut der europäischen Nationen ist

Eintritt: 10,- € / Mitglieder: 8,- € / Studenten: 5,- €


So, 17. Juni, 11 Uhr, Café Vetter
Regine Wagner-Preusse
Vorsicht Schule

Über Schule wurde und wird viel geschrieben. Doch meist aus der Vogelperspektive.
„Vorsicht Schule“ zeigt verblüffend offen und aufrüttelnd Nahaufnahmen aus einem Bildungssystem, das stets das Beste will und oft das Falsche schafft: Alleingelassene und überforderte Lehrer und Schulleiter, die mit Mühe den Schein des pädagogischen Normalbetriebs aufrechterhalten. Schüler, denen in viel zu großen Klassen nicht individuell geholfen werden kann. Eltern, die ...

Regine Wagner-Preusse studierte Germanistik, Politik und Soziologie. Sie arbeitete in der Familienberatung und unterrichtete mehr als zwanzig Jahre Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Aus ihrer soziologischen Forschung stammt der Band „Biographie und Politisierung“. Ein Kinderbuch, „Tom und Hannibal“ und ein weiterer Roman, „Mördermädchen“, zeigen die Kraft ihrer Sprache.

Eintritt: 10,- € / Mitglieder: 8,- € / Studenten: 5,- €


So, 24. Juni, 11 Uhr, Café Vetter
Dr. Dr. Joachim Kahl
Das Sein und das Nichts. Jean Paul Sartre (1905 bis 1980). Glanz und Elend eines französischen Philosophen von europäischem Rang.

Was Voltaire für Frankreich im 18. Jahrhundert war, Sartre war es im 20. Jahrhundert. Beide verkörperten glanzvoll französischen Esprit, französische Lebenskunst, französisches Engagement für die Freiheit. Freilich gelang Sartre nicht, was Voltaire beschieden war. Er zog nicht ins Pantheon in Paris ein, in die nationale Gedenkstätte bedeutender Persönlichkeiten, wovon er bereits als Knabe geträumt hatte. Diese früh sich bezeugende Ruhmbegierde drückte sich auch aus, als er 1964 den Nobelpreis für Literatur verschmähte und sich damit über die höchste kulturelle Auszeichnung der Menschheit erhob.

Der in einer offenen Paarbeziehung mit Simone de Beauvoir lebende und arbeitende Sartre war ein Meister der öffentlichen Selbstinszenierung. Dabei nutzte er alle Möglichkeiten des beginnenden Medienzeitalters und der Ferntouristik. Im Mittelpunkt seiner weit gespannten belletristischen und philosophischen Arbeit stand der Freiheitsbegriff, den er freilich heroisch überdehnte. "Der Mensch ist zur Freiheit verdammt" - so fasste er seine Ideen im frühen Aufsatz "Der Existentialismus ist ein Humanismus" (1946) pointiert zusammen.

Anhand dieser Schrift, des Schauspiels "Hinter verschlossenen Türen" sowie ausgewählter Abschnitte aus "Das Sein und das Nichts" soll ein begrenzter und doch zutreffender Einblick in Sartres Werk eröffnet werden.

Eintritt: 10,- € / Mitglieder: 8,- € / Studenten: 5,- €